1. Die Machtergreifung

Die Machtergreifung der Nazis in Albisheim war auch total gewesen. Das gesamte gesellschaftliche Leben kam zwangsweise unter ihre Kontrolle. Wie überall wurden die Albisheimer Vereine aufgelöst und bekamen eine neue Satzung und entstanden neu als regimetreue Organisationen. In die Vorstände wurden nur noch linientreue Leute hinein nominiert. Gewerkschaftler und SPD Genossen wurden mundtot gemacht, wie alle anderen auch, denn die körperlichen Repressalien durch die SA, durch die gleichgeschalteten Behörden und Organisationen waren existentiell. Die Buben und Mädchen wurden Zwangsmitglieder in den Jugendorganisationen BdM, die Pimpfe (auf dem Foto) und Hitlerjugend!vernichtung01

Auch der Albisheimer Pfarrer meckerte nicht, denn auch die Kirche wurde nationalsozialistisch nach dem Bibelwort „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist“ ausgerichtet. Die hauptamtlichen Albisheimer Lehrer Wasem, Göhring und Winnecker standen vor der Alternative, entweder Parteimitglied oder arbeitslos zu werden. Keiner ahnte, was der Diktator plante und was in kürzester Zeit auf uns und ganz Europa zukommen würde. Die Einführung des Hitlergrußes signalisierte den Beginn der Gehirnwäsche und war Zeichen der absoluten Unterwerfung unter die Nazi- Ideologie. Betrat ein Bürger das Albisheimer Büro im Gemeindehaus, um z.B. die Geburt seiner Tochter anzumelden, musste er mit ausgestrecktem Arm und lautem „Heil Hitler“ den Raum betreten; wenn nicht, wurde er weggeschickt, bis er brav sich dem Ritual unterworfen hatte.
Der linientreue Landwirt Hahn, Reichsbauernführer des Westgaus zwang den Bürgermeister Emrich zum Rücktritt!
Der Zulauf der Albisheimer war so groß, dass die SA in Albisheimer 2 Sturmabteilungen bilden konnten:
• SA –Sturm 15/4 Albisheim: Obersturmführer Baum
• SA – Sturm 16/4 Albisheim: Sturmführer Heinrich Wohlgemuth, Tel. 494
Bald nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurden die deutschen Juden als Volksfeinde, als Schmarotzer ausgegrenzt. Unter dem Vorwand einer angeblichen „jüdischen Kriegserklärung“ gegen Deutschland löste die NS-Reichsregierung am 1. April 1933 den reichsweiten Judenboykott aus: Dabei wurden die jüdische Geschäfte in Albisheim, Notars- und Arztpraxen in Kirchheimbolanden und Kaiserslautern mit Plakaten, Spruchbändern und Aufschriften - darunter weißen oder gelben Davidsternen - versehen mit dem Spruch: „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei(m) Juden!“ Auf der Basis der Nürnberger Gesetze von 1935 verschärfte das NS-Regime mit Verboten, Auflagen, Sonderregeln ständig die Lage der deutschen Juden.
The Nazi seizure of power in Albisheim was also totally. In a very short time, the Hitler Party turned Germany into a dictatorship. The entire social life was forcibly under their control. As elsewhere, all 6 Albisheimer clubs were dissolved, they got a new constitution and re-emerged as pro-regime organizations. As chiefs only line -abiding people were nominated in. The Unions and the Social Party were forbidden.
Like everyone else, the physical reprisals by the SA, the regimented authorities and organizations were existentially. The boys and girls were forced to be members of youth organizations “Hitler-Jugend” and the girls to the “BdM”! Surprisingly, the Lutheran pastor of Albisheim was not complaining about these crimes against the humanity, The 3 Albisheimer teachers Wasem, Göhring and Winnecker were faced with the alternative:
• either to be a member of the NSDAP or
• to lose the job & the loss of livelihood.
No one thought in his worst dreams which an evil would befall throughout Europe what the dictator planned and what was in store for us and all over Europe in no time. The introduction of the Hitler salute signaled the beginning of brainwashing and was a sign of absolute submission to the Nazi ideology. Entered a citizen the Albisheim the office in the city hall, to register the birth of his daughter, he had to enter the office with an outstretched arm and a loud "Heil Hitler"; if not, he was sent away until he had behaved himself subjected to the ritual.

2. Die Reichskristallnacht in Albisheim

Der Novemberpogrom am Samstag, den 9.11.1938, die sogenannte 'Reichskristallnacht', hatte bis die dahin schlimmsten antijüdischen Ausschreitungen auf deutschem Boden seit den Massakern des Mittelalter gebracht. Dieser Terror wütete im ganzen Deutschen Reich! So auch in Albisheim.vernichtung02

In der Ratsstraße N° 2 Albisheim wohnte die Witwe Martha Strauß, geborene Fröhlich. Sie war am 16.11.1893 in Gauersheim auf die Welt gekommen und hatte am 5.2.1919 den Kriegsveteran Leopold Strauß, * 12.5.1886 aus Steinbach geheiratet.

Das Paar hatte nur eine Tochter, die Henni, * 19.1.1920, wo die sich im Oktober 1938 aufhielt, ist unbekannt. Auf jeden Fall die Nazis konzentrierten ihren Hass, ihre Aktion auf die alleinstehende Frau Martha Strauß; ihr Ehemann war am 19.11.1935 verstorben.
Die SA Albisheim stürmte unter dem Gejohle treuer Gesinnungsgenossen das Haus in der Ratsstraße 2, Es war erschreckend, wie diese fanatisierten Männer rücksichtslos ihr gesamtes Geschirr und die Stühle etc. auf die Straße schmissen, Bettdecken und Kissen zerschnitten und den Inhalt aus den Fenstern schüttelten. Nichts blieb heil. Sie verwüsteten die Wohnung und prügelten den Hund zu Tode. Dies war ein unheimlicher Vorgeschmack auf das kommende Unheil, das die Nazis über ganze Welt brachten. Die meisten Albisheim waren jedoch insgeheim über diese Barbarei schockiert. Im Kreis der Familie sprachen sie ihr Abscheu aus, als sie davon hörten. Soweit wie möglich, halfen sie der Martha Strauß insgeheim. Aber nur Wenige, wie der 75jährige Wilhelm Keller trauten sich, er moserte laut, wurden dann aber von den Nazis vor die Alternative gestellt, eine „Umerziehung“ zu absolvieren oder aber die Sache in ihrem Sinne zu preisen.
Der Aberwitz der Geschichte: nachdem Frau Martha Strauß deportiert worden war, wurde ihr Haus rechtswidrig auf die Raiffeisenkasse Albisheim übertragen und der Obernazi Schwender zog kostenlos ein. Dort wohnte er auch, nachdem er 1947 aus dem alliierten Knast heimkam, solange bis er 1956 Albisheim in Richtung Ludwigshafen verließ.

Die Namensergänzungen in 1938

Der „Reichskristallnacht“ folgten dann weitere Diskriminierungen im gesamten Deutschen Reich. Das Nazi Regime veranlasste die Vornamensergänzung der jüdischen Bewohner. Daraufhin ergänzte der damalige Bürgermeister Adolf Hahn in seiner Funktion als verantwortlicher Standesbeamte am 2.12.1938 alle jüdischen Geburtsakten . Alle noch lebenden jüdischen Einwohner erhielten als Mädchen, bzw. Frau den diskriminierenden Namenszusatz Sara und die Buben/Männer den Namen Israel. Diese Zusätze machten die bürokratische Vorbereitung der späteren Deportation im Oktober 1940 sehr einfach, so dass den NS-Häschern keiner entgehen konnte. Da der Autor wegen angeblichen Datenschutzes keinen Einblick in die Standesamtsakten Albisheim erhalten hatte, konnten bis jetzt nicht die Identität aller jüdischen Mitbewohner weder numerisch noch quantitativ ermittelt werden. Hoffentlich hat die Landesregierung genug Mut, das Versprechen des ehemaligen Ministerpräsident Beck umzusetzen, damit noch zeitnah eine vollständige Klärung herbeigeführt werden kann, bevor viel Gras über die Nazi-Verbrechen gewachsen ist. Den Verschleppten und Ermordeten hilft es wenig, dass nach dem Krieg am 17.5.1946 entsprechend dem Runderlass der vorläufigen Regierung Hessen - Pfalz auf den gleichen Geburtsakten die rechtswidrige Namensänderung wieder offiziell rückgängig gemacht wurde. Wir haben vergeblich versucht, mit der in Argentinien lebenden Johanna Fröhlich, Jahrgang 1929 und mit Ria Gumbel (Gümbel) USA, Kontakte aufzunehmen, um von ihnen als Betroffene ihre Lebensbericht zu erhalten

Die Deportation im Oktober 1940

Genau vier Monate nach dem deutsch/französischen Waffenstillstands- Abkommen mit seinem für die Juden tödlichen Artikel 19 erfolgte am 22. Oktober 1940 die Deportation der pfälzischen, saarländischen und badischen Juden in den äußersten französischen Südwesten, in den Zu-ständigkeitsbereich des besiegten, aber noch unbesetzten Teil Frankreichs, der der Vichy-Regierung unterstand. Ziel der sieben Züge war das Camp de Gurs am Fuß der Pyre¬näen, - eine damals und bis heute wenig beachtete und doch spekta¬kuläre Aktion, die in ihrer Art keinerlei Parallelen aufweist. Die Oktoberdeportation von 1940 bedeutete nicht nur das Ende des seinerzeit an sich schon äußerst eingeschränkten jüdischen Lebens in Baden und der Pfalz, sondern zugleich das früher oder später vollstreckte Todesurteil für sehr viele dieser deportierten, völlig unschuldigen deutschen Bürgerinnen und Bürger, 'nur1 weil sie Juden waren.
Die Aktion ist von Regierungsstellen und von der Gestapo von langer Hand vorbereitet worden - der entscheidende Erlass des Badischen Innenministeriums an die Landratsämter datiert vom 15. Oktober 1940 -, blieb aber bis zum Tage der Durchführung streng geheim. Wie die Deportation in Albisheim ablief, darüber herrscht Unkenntnis oder tiefes Schweigen derer, die es wissen könnten. „Die Betroffenen wurden von ihrer Ausweisung erst unmittelbar vor der Festnahme und dem Abtransport unterrichtet. Die Frist, die ih¬nen für die Vorbereitung blieb, war in den einzelnen Orten sehr unterschiedlich und betrug zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden. Die Ausgewiesenen hatten kaum die Möglichkeit, die notwendig¬sten Habseligkeiten - 50 kg Gepäck und 100 RM in Bargeld pro Person waren erlaubt - zusammenzusuchen. Aus Albisheim wurden nachweislich deportiert :
• Johanna Metzger, * 10.3.1875, die am 7.7.1907 Adolf Rothschild geheiratet hatte,
• Johanna Metzger, * 15.3.1888, nach Polen deportiert und dort ermordet
• Sara Fröhlich, * 3.6.1860 in Gauersheim
• Johanna Fröhlich,* um 1929, wahrscheinlich mit den Eltern verschleppt; Johanna Fröhlich konnte jedoch in Gurs unter dem Zaun entkommen und gelangte dann mit Hilfe von Fluchthelfer auf Umwegen nach England!
• Die Familie Gümbel: Siegmund Gümbel * 15.2.1891 und seine beiden Töchter Ilse, * 1.9.1921 und ihre Schwester Ria, * 10.4.1923. Siegmund war im Ersten Weltkrieg dekorierter „Frontkämpfer“ für Kaiser, Reich und Vaterland gewesen. Die war eine Auszeichnung, die die Nazis bei den „Ariern“ sehr schätzten

Die Familie Siegmund Gumbel (Gümbel)

vernichtung03Siegmund Gumbel * 15.2.1891, war das 2. Kind der Eheleute Joseph Gümbel, Bäckermeister in Albisheim und der Julia Ulmann aus Merchingen/Baden. Siegmund leistete wie alle seiner Freunde bayerischen Militärdienst und meldete sich freiwillig zum Kampfeinsatz im 1. Weltkrieg. Er kämpfte tapfer für Kaiser, Reich und Vaterland und bekam dafür das Eiserne Kreuz.

Am 14.5.1919 ehelichte er Mina Ullmann * 25.1.1892 in Fürth. Die Familie lebte in der Hauptstraße 56, Albisheim. Das Ehepaar bekam im Sinne der Zeit 2 Kinder, dies bis 1933 eine schöne Kindheit mit ihren vielen Schulfreunden und den Nachbarschaftskindern verbrachten. Die Gümbels waren eine ganz normale deutsche Familie, bis so nach und nach die NS- Verfolgung und NS Gehirnwäsche das Leben vergiftete. Siegmund Gümbel glaubte durch seine vaterländische Pflichterfüllung im 1. Weltkrieg, durch seine Kriegsorden vor den Nazis sicher zu sein, zumal er ein hoch geachteter Albisheimer war, der allen half, wenn Not am Mann war. Da hatte er sich so richtig getäuscht. Da gab es u.a. den Hubert Emil Schwender, Lagerverwalter bei Raiffeisen Albisheim mit Frau, die vor rein gar nichts Respekt hatten. Familie Schwender war die ideale NS Familie. Er seit 1925 NS- Mitglied, dann Chef der Albisheimer NSDAP Gruppe, seine Frau Leiterin der NS –Frauenschaft, Sohn Wolfgang in der Jugendgruppe engagiert. .

Ria Gümbel * 12.3.1923 zog am 15.7.1939 in das Haus der Familie Dr. Emil Rosenberg, Vierlingstr. 13 in Frankenthal. Ria teilte das Schicksal der Familie Rosenberg und wurde am 22.10.1740 von Frankenthal aus nach Gurs deportiert.vernichtung04

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